Forschung & Studien

Renale Denervation: von der Innovation zur Routineversorgung

15. Juni 2026

Dieses narrative Review aus dem Jahr 2026, verfasst von einer Autorengruppe aus Australien, bietet einen aktuellen und fundierten Überblick darüber, wie sich die renale Denervation (RDN) von einem vielversprechenden Konzept zu einer evidenzbasierten, leitlinienempfohlenen Therapie der Hypertonie entwickelt hat – und welche Bedeutung dies für die Umsetzung im klinischen Alltag hat.

Die Autoren zeichnen die Entwicklung der RDN nach: von anfänglicher Begeisterung über eine Phase der Neubewertung nach neutralen Studienergebnissen bis hin zur heutigen soliden Evidenzbasis. Eine Reihe gut konzipierter, randomisierter, scheinkontrollierter klinischer Studien mit Technologien der zweiten Generation hat inzwischen konsistent gezeigt, dass RDN sicher eine klinisch relevante Senkung des Blutdrucks sowohl in der Praxis als auch in der ambulanten Messung bewirkt. Diese Effekte wurden bei Patienten mit unkontrollierter oder therapieresistenter Hypertonie nachgewiesen – sowohl unter antihypertensiver Medikation als auch vorübergehend ohne diese.

Neben der kurzfristigen Wirksamkeit zeigen langfristige Beobachtungsdaten, dass die Blutdrucksenkung nach RDN über mehr als 10 Jahre anhalten kann, häufig begleitet von einer reduzierten Medikamentenbelastung. Diese Nachhaltigkeit unterstreicht die Rolle der RDN als ergänzende Therapieoption neben der medikamentösen Behandlung, insbesondere bei Patienten, die trotz mehrerer Medikamente keine ausreichende Blutdruckkontrolle erreichen. Diese wachsende Evidenz spiegelt sich in internationalen Hypertonie-Leitlinien wider, die RDN inzwischen als ergänzende Behandlung für ausgewählte Patienten mit unkontrollierter oder therapieresistenter Hypertonie empfehlen – insbesondere dann, wenn andere Strategien versagen oder schlecht vertragen werden. Das Review betont die gemeinsame Entscheidungsfindung als zentralen Bestandteil der Patientenauswahl, unter Berücksichtigung von Blutdruckprofil, Begleiterkrankungen sowie Patientenpräferenzen und -erwartungen.

Während RDN in den USA und mehreren anderen Regionen bereits zugelassen ist, weisen die Autoren darauf hin, dass eingeschränkte Kostenerstattung in weiten Teilen Europas und der Asien-Pazifik-Region weiterhin ein wesentliches Hindernis für eine breite Anwendung darstellt – trotz günstiger Kosten-Nutzen-Bewertungen. Praktische Empfehlungen zur Diagnostik, zu Überweisungswegen und zu teambasierten Versorgungsmodellen werden gegeben, um eine sichere und effektive Implementierung zu unterstützen, sobald Zugangsbarrieren abgebaut sind.

Abschließend richtet das Review den Blick über die Hypertonie hinaus. Aktuelle Forschung untersucht eine mögliche Erweiterung der Einsatzgebiete der RDN auf weitere Erkrankungen mit erhöhter sympathischer Aktivität, darunter chronische Nierenerkrankung, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz. Die zentrale Botschaft des Reviews lautet, dass RDN nicht länger als experimentelle Therapie betrachtet werden sollte. Vielmehr handelt es sich um eine zunehmend integrierte, evidenzbasierte Behandlungsoption, die das therapeutische Spektrum für das langfristige Blutdruckmanagement erweitert.

„Aktuelle internationale Leitlinien empfehlen einheitlich ein Blutdruckziel von <130/80 mmHg für Patienten mit Hypertonie, und RDN wird inzwischen als integraler Bestandteil unseres therapeutischen Instrumentariums angesehen, um dieses Ziel zu erreichen … Das günstige Sicherheitsprofil der RDN als einmaliger Eingriff, kombiniert mit einer klinisch bedeutsamen und bis zu 10 Jahre anhaltenden Blutdrucksenkung, wird die dringend notwendige Integration in reale klinische Versorgungsstrukturen erleichtern.“

Professor Markus Schlaich, Dobney Chair in Clinical Research

Reference: Sesa-Ashton G, et al. Heart Epub. doi:10.1136/heartjnl2025-326186