Interview

Interview mit PD Dr. med Karl-Philipp Rommel, leitender Oberarzt der Kardiologie am Universitätsklinikum Mainz

März 11, 2025

Dr. Karl-Philipp Rommel spricht über das Verfahren der renalen Denervation (RDN) als zusätzliche Option für Patienten mit schwerem, unkontrolliertem Bluthochdruck.
RDN kommt in erster Linie für diejenigen Patienten in Frage, deren Blutdruck trotz mehrfacher Medikation hoch bleibt. Er sieht besondere Vorteile für junge Patienten, da ihre Blutgefäße noch flexibel sind und besser auf die Behandlung ansprechen. Dr. Rommel plädiert für eine breitere Anwendung in der klinischen Praxis, insbesondere bei Patienten, die Probleme mit der Medikamenteneinnahme oder Nebenwirkungen haben.

Als Beispiel wird der Fall eines jungen Patienten, Sergiu, diskutiert. Trotz schwerer Hypertonie und anfänglicher Unsicherheit über den Erfolg der RDN führte das Verfahren zu einer Normalisierung seines Blutdrucks und einer Reduzierung der Medikamente. Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Worin bestand die besondere Herausforderung bei dem Patienten?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Der mit 42 Jahren relativ junge Patient klagte über die typischen Symptome einer unzureichend kontrollierten arteriellen Hypertonie: Schwindel, Kopfschmerzen und Brustschmerzen. Der Patient hatte einen extrem hohen Blutdruck. Das zeigte sich auch in der Langzeitmessung. Es war nicht ganz klar, ob die renale Denervation hier einen durchschlagenden Erfolg haben würde, insbesondere weil der Blutdruck extrem hoch war. Aber die renale Denervation hat sehr gut funktioniert, so dass in diesem Fall auch die Medikamente reduziert werden konnten. Das ist nicht bei jedem Patienten der Fall und das Ziel der RDN kann nicht sein, die Medikamente zu reduzieren, sondern das Ziel ist es, den Blutdruck zuverlässig zu regulieren.

 

Welche Untersuchungen führen Sie normalerweise vor dem Eingriff durch?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Zunächst schließen wir bei allen unseren Patienten alle Ursachen aus, die zu Bluthochdruck führen können, d. h. die Ursachen, die wir identifizieren können, einschließlich hormoneller und Stoffwechselstörungen, Schlafapnoe-Syndrom oder Verengung der Nierenarterien, die alle letztlich zu einem Anstieg des Blutdrucks führen können. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten auf die renale Denervation ansprechen.

 

Wie sicher ist die Behandlung und gibt es eine 100-prozentige Erfolgsquote?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Die renale Denervation ist sehr sicher. Es gibt eigentlich keine größeren Komplikationen. Etwa drei Viertel der Patienten sprechen auf den Eingriff mit einer guten Blutdrucksenkung an, etwa ein Viertel spricht nicht darauf an. Wenn man zu den Patienten gehört, bei denen es zu einer Blutdrucksenkung kommt, kann man auch sicher sein, dass die Blutdrucksenkung relativ gut ist.

 

Wie lange dauert die Genesung nach einem solchen Eingriff?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Letztendlich handelt es sich um einen sehr minimalinvasiven Eingriff und die Patienten können sogar noch am selben Tag nach Hause gehen.

 

Kann sich jeder mit Bluthochdruck dieser OP unterziehen?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Die RDN ist sicherlich nicht für jeden Patienten geeignet. Die primäre Behandlung von Bluthochdruck ist die medikamentöse Therapie. Patienten, die nicht ausreichend auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen, sind besonders für die RDN geeignet.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der RDN-Therapie gemacht?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Wir haben zehn Jahre Erfahrung mit der renalen Denervation. Wir haben mehrere hundert Menschen behandelt, sehr unterschiedliche Patienten. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, vor allem mit jüngeren Menschen, die einen schweren Bluthochdruck haben. Ich glaube, dass genau diese Menschen von dem Mehrwert der reinen Denervation profitieren und über Jahre hinweg einen wirklich gut kontrollierten Blutdruck haben.
Wir haben uns in den letzten zehn Jahren sehr wissenschaftlich fundiert mit der renalen Denervation beschäftigt und konnten zeigen, dass es bei verschiedenen Patientengruppen sowohl bei wenigen Medikamenten als auch bei vielen Medikamenten eine wirklich zuverlässige blutdrucksenkende Wirkung gibt. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir die renale Denervation in der klinischen Routine einsetzen sollten, wenn Patienten trotz der Einnahme von mindestens drei blutdrucksenkenden Medikamenten unzureichend eingestellt sind.

 

Für welche Patienten kommt die renale Denervation infrage?

Dr. Karl-Philipp Rommel: Ich denke, dazu gehören Patienten mit unzureichend kontrolliertem Blutdruck, obwohl sie bereits drei oder mehr blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Es gibt aber auch Patienten, die die blutdrucksenkenden Medikamente möglicherweise nicht vertragen und daher unzureichend eingestellt sind. Oder all diejenigen, die Probleme haben, Medikamente regelmäßig und zuverlässig einzunehmen. Auch hier beruht die Wirksamkeit der renalen Denervation darauf, dass der Blutdruck unabhängig von der Medikamenteneinnahme kontrolliert wird – die blutdrucksenkende Wirkung hält den ganzen Tag lang und über viele Jahre an. Deshalb denke ich auch, dass insbesondere junge Patienten sehr gute Kandidaten für die renale Denervation sind.

 

Hinweis: In diesem Interview gibt Dr. Rommel auf der Grundlage seiner medizinischen Fachkenntnisse Einblicke in die renale Denervation. Bitte beachten Sie, dass der Arzt für die Zeit und den Aufwand, die er für die Teilnahme an diesem Interview aufgewendet hat, entschädigt wurde. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Arztes und spiegeln nicht unbedingt die von Recor Medical oder anderen Experten wider.